Anwendungsszenario der Daimler AG

Motivation und Auslöser

In der industriellen Fertigung ist die Mehrzahl der regulären Produktionsabläufe hochgradig standardisiert. Arbeitsplätze wie bspw. Montagestationen sind entlang arbeitsorganisatorischer- und ergonomischer Gesichtspunkte optimiert. Die Prozesse sind dennoch so flexibel gestaltet, dass hochindividualisierte Produkte wirtschaftlich hergestellt werden. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen vor der Herausforderung einer immensen Vielfallt an Produktvarianten in ihrem Arbeitsalltag zu handhaben. Ein Beispiel hierfür ist die Nutzfahrzeugindustrie. Individualisierte Produkte, Komponenten und Aggregate werden in Größenordnungen einer Massenproduktion gefertigt. Mit standardisierten, aber nichtsdestoweniger komplexen Produktionsprozessen werden multiple Kundenanforderungen bedient. Prinzipien von Industrie 4.0 halten Einzug in die Produktionsprozesse der  Hersteller und Zulieferer. Produktions- und Fertigungsverfahren werden in noch stärkerem Maße als bisher digitalisiert und über das Internet of Things (IoT) miteinander vernetzt.

Die Beherrschung komplexer Produktionsprozesse, das Know-how der Montage einer zunehmenden Varianz an Teilen, Komponenten und Produkten nach den hohen Qualitätsanforderungen sind alltägliche Anforderungen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Automobilindustrie. Dem damit einhergehenden erhöhten Qualifizierungsbedarf begegnen Unternehmen mit der verstärkten Integration von Qualifizierungsmaßnahmen in die Arbeitsprozesse. Der Demografischen Wandel und alternde Belegschaften verstärken diesen Effekt zusätzlich. Für Industrieunternehmen ist es daher unabdingbar Lösungen zu entwickeln, die es ermöglichen wertvolles Erfahrungs- und Expertenwissen zu sichern, stetig anzupassen und für neue Mitarbeiter, mit differenziertem Vorwissen, zugänglich zu machen.

Die AmbiWise Applikation bietet hierfür:

Funktionale Einheiten:

  • Responsive WebApp
  • Kontextsensivität durch QR-Codes, iBeacons
  • Sprachsteuerung

Lerninhalte, Medienformat:

  • Netzbild
  • Fotos
  • Lernvideos, Ego-Perspektivische Lernvideos
  • AR-Inhalte

Anwendungsbereich: Montage, Logistik und technische Berufsausbildung bei der Daimler AG

Das Szenario der Daimler AG ist im Geschäftsfeld Daimler Trucks, der Nutzfahrzeugsparte des Automobilherstellers, angesiedelt. Zur bedarfsgerechten Deckung der sich verändernden Qualifizierungsbedarfe setzt Daimler Trucks in Fertigungs- und Montagebereichen insbesondere auf modularisierte und arbeitsplatznahe Qualifizierungsmaßnahmen. Diese umfassen dabei alle Fertigkeiten und Kenntnisse, die für die qualitätsgerechte Ausführung der Tätigkeit erforderlich sind und die Prozessstandards in der Produktion absichDaimler2ern.

Ziel des Einsatzes des AmbiWise Systems in diesem Szenario ist die effiziente Aufnahme von prozessbezogenem Wissen, dessen Erfassung und Dokumentation nach didaktischen Prinzipien sowie der bestmöglichen Unterstützung von Schulungsmaßnahmen bspw. durch die Distribution von Lerninhalten über unterschiedliche Endgeräte, unmittelbar an den Arbeitsplatz.

Die beständige Prüfung der Wirksamkeit von Qualifizierungsmaßnahmen sowie die Berücksichtigung von Verbesserungen, die durch Produktionsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter eingebracht werden, sichern die kontinuierliche Verbesserung der Lerninhalte und Entwickelt Mitarbeitern und Montagestandards stetig weiter.

Pilotierung

Im Rahmen des Forschungsprojektes stellte die Daimler AG mit der Division Daimler Trucks Pilotierungsfelder an vier deutschen Produktionsstandorten bereit. Hierbei wurde Wert auf eine möglichst umfassende Anwenderzahl sowie vielseitige Anwendungsgebiete gelegt.

AmbiWise wurde bei der Daimler AG in Montagebereichen, montagenahen Bereichen sowie in der technischen Berufsausbildung (Berufsgruppen: Fertigungsmechaniker, Werkzeugmechaniker) erprobt.

Die funktionalen Einheiten und Medienformate der AmbiWise Applikation wurden mit unterschiedlicher Ausprägung bedarfsorientiert in den Szenarien der Anwendungspartner erprobt. In enger Abstimmung mit den Betriebsräten wurden organisatorischen Rahmenbedingungen und Datenschutzrechtliche Aspekte für den Pilotierungszeitraum vereinbart. Daimler

Neben der Erprobung der mobilen Web-Applikation wurden Technologien wie beispielsweise Smart Glasses, Augmented Reality, Sprachsteuerung und QR-Codes eingesetzt und in Kombination mit der entstandenen Systemumgebung erprobt. Hierbei wurden während eines mehrstufigen Pilotierungsprozesses zunächst der Demonstrator der Web-Applikation und im Anschluss eine Vielzahl an Lernvideos aus der Ego-Perspektive erstellt. Hierzu konnten die Anwender detailliert ihre subjektiven Erfahrungen austauschen und wichtige Impulse für Optimierungsmaßnahmen und weiterführende Anwendungsfälle darlegen.

Fazit und Ausblick

Mit Fokus auf die Anwendungsszenarien bezüglich montageorientierter Qualifizierungsvorgänge, konnten während der umfassenden Pilotierungsphasen relevante Anknüpfungspunkte und Verwertungsaspekte identifiziert werden. Die mobile Verfügbarkeit von Qualifizierungsunterlagen, die durch den Einsatz mobile Endgeräte und adäquater Qualifizierungsmedien gewährleistet werden kann, erleichtert den Qualifizierungsprozess für alle Beteiligte erheblich. Neben der reinen Verfügbarkeit der Medien bzw. der „Lernanwendung“, unterstützten kontextsensitive Inhalte zusätzlich den Qualifizierungsvorgang durch die zielgerichtete und effiziente Navigation zu relevanten Lerninhalten. Diese Aspekte sowie der Einsatz von audiovisuellen Lernmedien bzw. von Smart Glasses nehmen bei der Gestaltung und Optimierung montageorientierter Qualifizierungsanwendungen bei der Daimler AG eine bedeutende Rolle ein.